Dein ultimativer Leitfaden für die 6. Schulstufe
Du hast schon Märchen geschrieben, Erlebniserzählungen verfasst und Bildergeschichten zum Leben erweckt. Jetzt ist es Zeit für etwas richtig Aufregendes: Gruselgeschichten!
In diesem Leitfaden findest du alles, was du brauchst, um deine Leser*innen zum Zittern zu bringen und gleichzeitig eine richtig gute Geschichte zu erzählen.
Eine Gruselgeschichte ist mehr als nur "gruselig". Sie hat bestimmte Merkmale:
Es gibt verschiedene Arten von Gruselgeschichten. Hier sind die wichtigsten:
Wie bei jeder guten Geschichte brauchst du eine klare Struktur:
Was muss rein?
Beispiel:
Lena stand vor dem alten Bauernhaus ihrer Großtante. Der Herbstwind zerrte an ihren Haaren und trieb welke Blätter über den ungepflegten Vorgarten. Die Fensterläden klapperten. Eines der Fenster im ersten Stock stand offen – dabei hatte Mama gesagt, das Haus sei seit Jahren verlassen.
Was passiert hier?
Struktur im Hauptteil:
Zwei Möglichkeiten:
Lena rannte, so schnell sie konnte, aus dem Haus. Erst draußen im hellen Sonnenlicht wagte sie sich umzudrehen. Das Haus stand da, still und harmlos. Hatte sie sich alles nur eingebildet? Sie schloss die Gartentür hinter sich. Als sie zum Fenster im ersten Stock hinaufsah, bewegte sich der Vorhang. Aber das war sicher nur der Wind. Oder?
Lena wirbelte herum. Der Schatten war direkt hinter ihr. Sie wollte schreien, aber ihre Stimme versagte. Eine eiskalte Hand berührte ihre Schulter und…
Die Spannungskurve zeigt, wie spannend deine Geschichte zu welchem Zeitpunkt ist. Es gibt zwei Haupttypen:
* HÖHEPUNKT
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EINLEITUNG HAUPTTEIL SCHLUSS
So funktioniert's:
* * HÖHEPUNKT
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START BERUHIGUNG AUFBAU SCHLUSS
So funktioniert's:
Atmosphäre ist die Stimmung deiner Geschichte. Bei Gruselgeschichten willst du: Unbehagen, Angst, Spannung!
Klassische gruselige Orte:
Aber: Auch normale Orte können gruselig werden!
❌ Langweilig: "Das Haus war alt."
✅ Besser: "Das Haus kauerte zwischen den Bäumen, die Farbe blätterte von den Wänden wie tote Haut."
Nutze alle fünf Sinne für die Atmosphäre:
Hier findest du fertige Satzanfänge und Formulierungen, die du in deiner Geschichte verwenden kannst:
Worum geht's?
Hendrik und sein Bruder Eddi ziehen mit ihren Eltern in ein altes, etwas heruntergekommenes Haus in Österreich. Von Anfang an passieren merkwürdige Dinge: Gegenstände verschwinden, es gibt seltsame Geräusche, und Hendrik fühlt sich beobachtet.
Was macht diese Geschichte gruselig?
Original-Beispiel (fiktiv):
Lisa stand im dunklen Flur. Sie hörte ein Geräusch aus dem Zimmer am Ende. Langsam ging sie darauf zu. Die Tür stand einen Spalt offen. Sie schob sie auf und…
Jetzt verbessert mit unseren Techniken:
Der Flur lag in völliger Dunkelheit. Lisa tastete sich an der kalten Wand entlang, ihr Herz hämmerte. Aus dem letzten Zimmer drang ein schabendes Kratzen, wie Fingernägel auf Holz. Sie blieb stehen, jeder Muskel angespannt. Das Geräusch verstummte. In der Stille hörte sie nur ihren eigenen rasenden Atem. Die Tür am Ende stand einen Spalt offen – ein schwarzer Schlund in der Dunkelheit. Mit zitternder Hand schob sie die Tür auf und…
Was wurde verbessert?
Jetzt wird's praktisch! Hier findest du Übungen, mit denen du das Gelernte anwenden kannst.
Aufgabe: Lies die beiden Anfänge und entscheide: Spannungskurve A oder B?
Text 1:
Der Wind pfiff durch die Ritzen des alten Fensterrahmens. Emma packte die letzten Kartons aus und betrachtete ihr neues Zimmer. Es war größer als ihr altes und hatte sogar einen Balkon. "Gar nicht so schlecht", dachte sie und begann, ihre Bücher in das Regal zu stellen. Als es dunkel wurde, hörte sie zum ersten Mal das Klopfen…
Text 2:
"Nein!", schrie Emma und riss die Augen auf. Der Albtraum verblasste langsam. Nur ein Traum. Sie atmete tief durch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Ihr neues Zimmer lag friedlich im Mondlicht. Alles war still. Sie lächelte über ihre eigene Angst. Doch dann – ein Klopfen an der Wand. Rhythmisch. Drei Schläge. Eine Pause. Wieder drei Schläge.
Lösung:
Aufgabe: Verwandle diese langweiligen Beschreibungen in gruselige Atmosphäre!
a) Das Haus war alt und leer.
b) Es war Nacht und dunkel.
c) Sie ging durch den Wald.
Lösungsbeispiele:
a) Das Haus war alt und leer.
Tipp: Deine Lösung muss nicht genau so sein! Wichtig ist: Nutze konkrete Details und Sinneseindrücke!
Aufgabe: Fülle diese Planungs-Tabelle aus, BEVOR du eine Geschichte schreibst. Das hilft dir, die Struktur klar zu haben!
| Element | Deine Idee |
|---|---|
| HAUPTFIGUR: Wer ist es? | z.B. Sarah, 12 Jahre, neu in der Stadt |
| ORT: Wo spielt es? | z.B. alte Bibliothek |
| ZEIT: Wann? | z.B. Spätnachmittag, wird dunkel |
| PROBLEM: Was ist das Gruselige? | z.B. Bücher bewegen sich von selbst |
| EREIGNIS 1: Was passiert zuerst? | z.B. Sarah hört Flüstern |
| EREIGNIS 2: Was passiert dann? | z.B. Sie sieht Schatten zwischen Regalen |
| EREIGNIS 3: Was steigert die Spannung? | z.B. Sie wird eingesperrt |
| HÖHEPUNKT: Gruseligster Moment! | z.B. Geist erscheint |
| LÖSUNG: Wie endet es? | z.B. Geist will nur helfen, zeigt ihr den Ausgang |
Aufgabe: Du hast bestimmt 1000 Ideen! Hier lernst du, die beste auszuwählen und dabei zu bleiben.
Schritt 4: Storyline in 3 Sätzen
Schreib die ganze Geschichte in NUR 3 Sätzen:
Wichtig für Schülerin 2:
Bevor du deine Geschichte abgibst, geh diese Checkliste durch:
| Kriterium | Super! | Geht so | Muss ich überarbeiten |
|---|---|---|---|
| Aufbau klar (Einleitung, Hauptteil, Schluss) | |||
| Gruselige Atmosphäre | |||
| Spannung steigt | |||
| Höhepunkt vorhanden | |||
| Abwechslungsreiche Sprache | |||
| Originelle Idee |
Hier sind die typischen Fehler, die Schüler*innen machen – und wie du sie vermeidest:
Falsch:
"Das Haus war gruselig und das Zimmer war unheimlich."
Richtig:
"Spinnweben hingen wie schmutzige Vorhänge von der Decke, und in den Ecken huschten Schatten, die sich nicht erklären ließen."
Warum? Der Leser soll selbst entscheiden, ob es gruselig ist! Zeige ihm WARUM es gruselig ist!
Falsch:
"Die große, dunkle, schaurige, alte, kalte Tür quietschte laut."
Richtig:
"Die alte Tür quietschte, als Kälte aus dem dunklen Raum dahinter wehte."
Warum? Zu viele Adjektive machen den Satz schwerfällig. Wähle 1-2 starke Adjektive!
Falsch:
"Im Haus war ein Geist, und im Keller ein Vampir, auf dem Dachboden ein Portal in eine andere Dimension, im Garten ein Werwolf, und die Nachbarin war eine Hexe, und…"
Richtig:
"Im Haus war ein Geist. Nur ein Geist. Aber das reichte."
Warum? Ein Grusel-Element, richtig erzählt, ist besser als zehn auf einmal! Der Leser kann dir sonst nicht folgen.
Regel für Schülerin 2: Maximal 1 Haupt-Grusel-Element + 1 kleines Neben-Element!
Für Schülerin 1:
Für Schülerin 2:
10 Minuten: PLANUNG
30 Minuten: SCHREIBEN
10 Minuten: ÜBERARBEITUNG
Liebe Schülerin,
Du hast jetzt alle Werkzeuge, um fantastische Gruselgeschichten zu schreiben!
Für Schülerin 1: Denk daran – eine Geschichte braucht Zeit. Nutze die Planungs-Tabelle, schreib Schritt für Schritt, und überarbeite dann. Du wirst sehen: Mit jedem Mal wird es leichter!
Für Schülerin 2: Deine Ideen sind großartig! Aber denk an die Fokus-Übungen. Wähle die BESTE Idee aus, nicht alle auf einmal. Deine Leser werden es dir danken, wenn sie deiner Geschichte folgen können!
Für euch beide gilt:
In einem Monat ist eure Schularbeit. Nutzt diesen Leitfaden zum Üben. Schreibt mehrere Geschichten. Probiert verschiedene Spannungskurven aus. Findet heraus, was euch liegt.
Und vergesst nicht: Jede Autorin, die heute berühmt ist, hat mal genau dort angefangen, wo ihr jetzt seid – mit einer leeren Seite und einer Idee.
Jetzt liegt es an euch. Macht eure Leser*innen das Gruseln lehren! 👻
Diese Seite kannst du dir herauskopieren und in der Schularbeit neben dich legen:
Wenn dir nichts einfällt für…
…Atmosphäre:
"Die Luft war kalt und roch nach Moder."
"Schatten krochen über die Wände."
"Die Stille war ohrenbetäubend."
…Angst:
"Ihr Herz hämmerte gegen die Rippen."
"Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken."
"Sie spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich."
…Höhepunkt:
"In diesem Moment geschah es."
"Jetzt war es zu spät."
"Da stand es – direkt vor ihr."
Du hast Martina Wildners "Das schaurige Haus" gelesen und kennst dich jetzt mit der geheimnisvollen Welt von Hendrik, Eddi und dem unheimlichen Haus aus. In dieser Übungseinheit wirst du lernen, wie du selbst solche spannenden Gruselgeschichten schreiben kannst.
Wir werden uns die Elemente ansehen, die Martina Wildners Buch so fesselnd machen, und dann wirst du deine eigene Gruselgeschichte erschaffen!
Beantworte diese Fragen, um zu zeigen, wie gut du das Buch verstanden hast:
Martina Wildner erschafft lebendige Charaktere. Analysiere die Hauptfiguren aus "Das schaurige Haus":
Wie würde er sich in einer neuen gruseligen Situation verhalten?
Welche Eigenschaften machen ihn zu einem interessanten Charakter?
Wie wird das Haus fast zu einer eigenen Figur in der Geschichte?
Martina Wildner beschreibt nicht nur, wie etwas aussieht, sondern auch, wie es sich anfühlt, riecht und klingt. Probiere es aus:
Die Autorin gibt Hinweise, die Neugier wecken, ohne alles sofort zu verraten. Schreibe einen spannungsvollen Satz:
Die Gespräche zwischen den Charakteren verraten viel über ihre Persönlichkeit. Schreibe einen Dialog:
Jetzt bist du dran! Verwende alles, was du über "Das schaurige Haus" und Martina Wildners Schreibstil gelernt hast, um deine eigene Gruselgeschichte zu schreiben.
Stell dir vor, in deiner Nachbarschaft steht ein Haus, das allen Angst macht. Was verbirgt sich dort?
Wenn du noch mehr mit "Das schaurige Haus" arbeiten möchtest, probiere diese Aktivitäten aus:
Wähle eine wichtige Szene aus dem Buch und schreibe sie aus der Perspektive einer anderen Figur.
Wie könnte die Geschichte anders enden? Erfinde dein eigenes Ende für "Das schaurige Haus".
Was passiert nach dem Ende des Buches? Erzähle, wie es mit den Charakteren weitergeht.
In diesem Bereich findest du zusätzliche Ressourcen für deine Gruselgeschichten: