Schauplatz: Gebirge | Hauptperson: Ich | Vampir
Der Nebel war so plötzlich gekommen. Eben noch hatte ich den Wanderweg klar vor mir gesehen, jetzt erkannte ich nicht einmal mehr meine eigene Hand. Ich war hoffnungslos verloren im Gebirge. Panik stieg in mir hoch. Dann sah ich ein Licht zwischen den Felsen - eine Höhle!
Ich stolperte hinein, froh über den Schutz. Doch die Höhle war tiefer als gedacht. Fackeln brannten an den Wänden - wer hatte die angezündet? Im Inneren stand ein Mann in einem schwarzen Umhang aus dem 18. Jahrhundert. Seine Haut war kreidebleich, die Augen blutrot. Er lächelte und zeigte spitze Zähne.
"Willkommen, Wanderer", sagte er mit akzentbetonter Stimme. "Ich bin Graf Dragomir. Seit 1756 warte ich hier auf... Gesellschaft." Er kam näher, und ich roch etwas Süßliches, Fauliges. "Du bist verloren, nicht wahr? Perfekt. Ich auch. Verloren in der Zeit. Aber zusammen können wir..." Seine Hand griff nach meinem Hals, eiskalt.
Ich schrie. Dann flackerte alles. Der Graf, die Höhle, die Berge - alles wurde zu Pixeln. Plötzlich saß ich wieder an meinem Schreibtisch, die VR-Brille auf dem Kopf. Auf dem Bildschirm blinkte: "GAME OVER - Level 7 nicht geschafft. Nochmal versuchen?" Meine Hände zitterten noch immer. Das war viel zu realistisch gewesen.
Ich hatte den Weg verloren. Irgendwo zwischen Gipfel und Tal hatte ich die Markierung übersehen. Nun irrte ich durch die Felswände, während die Sonne sank. In der Dämmerung entdeckte ich eine alte Berghütte. Die Tür stand offen. Erschöpft trat ich ein.
Drinnen brannte ein Feuer im Kamin, obwohl die Hütte verlassen aussah. Am Tisch saß eine Frau in einem langen, altmodischen Kleid. Sie blickte auf, und ihre Augen glühten im Feuerschein rot. "Ein Besucher", flüsterte sie. "Wie... erfrischend." Ihr Lächeln zeigte verlängerte Eckzähne. Ich wollte fliehen, aber meine Beine gehorchten nicht.
"Hab keine Angst", sagte sie mit einer Stimme aus einer anderen Epoche. "Ich bin Gräfin Carmilla. Seit 1823 bewohne ich diese Hütte. Die Berge sind mein Jagdgebiet." Sie stand auf und schwebte auf mich zu. "Du wirst hier bleiben. Für immer. Wie alle, die sich verirren." Ihre kalten Finger berührten mein Gesicht.
Plötzlich piepte es. "Achievement freigeschaltet: Vampir-Begegnung!", leuchtete vor meinen Augen auf. Alles verschwamm. Ich riss den Controller von meinen Händen und starrte auf den Fernseher. "Mountain Horror VR" stand im Menü. Nur ein Spiel. Nur ein verdammt gutes Spiel. Mein Herz raste trotzdem wie verrückt.
Ich hatte mich völlig verirrt. Die Bergpfade sahen alle gleich aus, und mein Handy hatte keinen Empfang mehr. Als die Nacht hereinbrach, wusste ich, dass ich in ernsten Schwierigkeiten steckte. Dann hörte ich Schritte hinter mir. Jemand folgte mir im Dunkeln.
Ich rannte, stolperte über Wurzeln, kratzte mir die Hände an Felsen auf. Die Schritte kamen näher. Eine Gestalt tauchte aus dem Schatten auf - ein Mann in mittelalterlicher Kleidung, das Gesicht totenbleich. "Endlich frisches Blut", zischte er. Vampire waren real! Sein Umhang flatterte, obwohl kein Wind wehte.
"Ich bin Vlad", sagte er, "aus dem Jahre 1462. Jahrhunderte habe ich in diesen Bergen gehaust, auf Wanderer gewartet. Und du bist so wunderbar verloren." Er kam näher, seine Fingernägel waren wie Krallen. "Dein Blut wird mich stärken." Ich spürte seinen eisigen Atem an meinem Hals. Dies war das Ende.
Dann: "MISSION FEHLGESCHLAGEN". Alles um mich herum löste sich auf. Ich saß auf meinem Bett, den Gaming-Laptop vor mir. "Alpine Nightmare - Beta Version 0.8" blinkte auf dem Bildschirm. "Zu realistisch", tippte ich ins Forum. "Fast einen Herzinfarkt bekommen. 10/10 würde wieder spielen."