Dein Guide fĂŒr schaurig-schöne Geschichten
Ein Vampir ist ein Untoter, der nachts aus seinem Sarg steigt und vom Blut lebender Menschen trinkt. Er sieht oft aus wie ein normaler Mensch, aber seine Haut ist blass wie Schnee, seine Augen leuchten manchmal rot, und er hat spitze EckzÀhne. Vampir-Legenden gibt es auf der ganzen Welt, am bekanntesten ist Graf Dracula aus Transylvanien.
Vampir verwandelt sich oft in eine Fledermaus oder in Nebel. Er kann nicht im Spiegel gesehen werden und wirft keinen Schatten. TagsĂŒber muss er in seinem Sarg schlafen, sonst wĂŒrde ihn das Sonnenlicht zu Staub verbrennen.
"Die alte Kirchturmuhr schlug Mitternacht. Lena hörte ein Klopfen am Fenster. Als sie die VorhĂ€nge zur Seite schob, stand dort ein Mann in einem schwarzen Umhang. Sein Gesicht war bleich wie der Mond, seine Augen funkelten rubinrot. 'Lass mich herein', flĂŒsterte er mit samtweicher Stimme. Doch Lena bemerkte etwas Schreckliches: Der Mann warf keinen Schatten auf die Hauswand..."
Ein Gespenst ist die Seele eines verstorbenen Menschen, die nicht ins Jenseits ĂŒbergehen kann und deshalb auf der Erde herumspukt. Gespenster sind durchsichtig oder nebelhaft und können durch WĂ€nde schweben. Sie erscheinen oft an dem Ort, wo sie gestorben sind oder wo ihnen groĂes Unrecht geschehen ist.
Manche Gespenster wissen nicht mal, dass sie tot sind. Andere haben eine Mission: Sie wollen Rache nehmen, nach einem Schatz suchen lassen oder ein Geheimnis enthĂŒllen. Gespenster können nicht berĂŒhrt werden, aber sie können Dinge bewegen, TĂŒren zuschlagen und eiskalte WindstöĂe verursachen.
"Tim betrat vorsichtig den alten Dachboden. Die Luft wurde plötzlich eisig kalt, obwohl drauĂen Hochsommer war. Sein Atem bildete kleine Wölkchen. Dann hörte er es: ein leises Schleifen, als wĂŒrde jemand Ketten hinter sich herziehen. Im Mondlicht, das durch das staubige Fenster fiel, sah er eine durchsichtige Gestalt - eine Frau im weiĂen Kleid, die durch die alte Truhe schwebte, als wĂ€re sie nicht da..."
Eine Mumie ist ein toter Körper aus dem alten Ăgypten, der durch spezielle Techniken fĂŒr die Ewigkeit haltbar gemacht wurde. Die alten Ăgypter wickelten ihre Toten in Leinenbinden und legten sie mit wertvollen SchĂ€tzen in prĂ€chtige GrĂ€ber. In Gruselgeschichten erwachen Mumien zum Leben, wenn jemand ihr Grab öffnet oder einen Fluch ausspricht.
Die wiedererwachte Mumie ist langsam und steif, weil ihr Körper Tausende Jahre alt ist. Aber sie ist unglaublich stark und lĂ€sst sich nicht aufhalten. Oft sucht sie nach Menschen, die ihre Grabkammer gestört haben, oder sie will bestimmte magische GegenstĂ€nde zurĂŒckholen.
"Das Museum war nachts verschlossen, aber Sarah hatte den SchlĂŒssel gestohlen. Sie schlich zum Ă€gyptischen Saal, wo der goldene SkarabĂ€us in der Vitrine lag. Als sie das Glas zerbrach und den KĂ€fer nahm, hörte sie ein Knacken. Der Sarkophag in der Ecke öffnete sich langsam. Bandagen wickelten sich ab. Eine uralte Hand griff nach dem Rand. Die Mumie des Pharaos Amenophis richtete sich auf, ihre leeren Augenhöhlen starrten direkt auf Sarah..."
Ein Werwolf ist ein Mensch, der sich bei Vollmond in einen Wolf verwandelt. TagsĂŒber und bei normalem Mond ist er ein ganz gewöhnlicher Mensch. Aber wenn der Vollmond am Himmel steht, wĂ€chst ihm dichtes Fell, seine ZĂ€hne werden zu ReiĂzĂ€hnen, seine Finger zu Krallen, und er bekommt einen unstillbaren Hunger auf Fleisch.
Die Verwandlung ist sehr schmerzhaft und kann nicht kontrolliert werden. Als Werwolf verliert die Person ihr menschliches Bewusstsein und wird zu einem wilden Tier. Am nĂ€chsten Morgen verwandelt sie sich zurĂŒck und kann sich oft nicht erinnern, was passiert ist. Werwölfe werden entweder geboren oder durch den Biss eines anderen Werwolfs "angesteckt".
"Max spĂŒrte, wie der Vollmond aufging, noch bevor er ihn sah. Seine HĂ€nde begannen zu zittern. 'Nein, nicht schon wieder!', flĂŒsterte er verzweifelt. Sein RĂŒcken krĂŒmmte sich vor Schmerz. Knochen knackten, Muskeln dehnten sich. Dichtes, schwarzes Fell brach durch seine Haut. Seine FingernĂ€gel wurden zu Krallen. Ein durchdringender Schrei verwandelte sich in ein langgezogenes Heulen. Der Junge Max war verschwunden - an seiner Stelle stand eine riesige, wolfsartige Kreatur mit glĂŒhenden gelben Augen..."
Ein Phantom ist Àhnlich wie ein Gespenst, aber mysteriöser und oft an einen bestimmten Ort gebunden. Das bekannteste Phantom ist das "Phantom der Oper", das in einem Theater lebt. Im Gegensatz zu Gespenstern können Phantome sowohl tot als auch lebendig sein - manchmal sind es entstellte oder versteckte Menschen, die als Geister erscheinen.
Phantome sind meist einsame Wesen mit einer tragischen Geschichte. Sie verstecken sich in geheimen GĂ€ngen, hinter Masken oder im Schatten. Oft sind sie an einen Ort so gebunden, dass sie ihn niemals verlassen können. Manche Phantome sind rachsĂŒchtig, andere nur traurig und einsam.
"Emma hörte wĂ€hrend der Theaterprobe Schritte auf dem Dachboden - aber dort war niemand. Am nĂ€chsten Tag lag ein Brief auf ihrer Garderobe: 'Sing nicht das hohe C, oder du wirst es bereuen. - Das Phantom.' Ihre HĂ€nde zitterten. Bei der AuffĂŒhrung sang sie trotzdem die schwierige Note. Plötzlich erlosch das Licht. Eine maskierte Gestalt stand auf dem Balkon und starrte auf sie herab. Dann verschwand sie durch eine TĂŒr, die Emma noch nie gesehen hatte..."
Ein Labyrinth ist ein verwirrender Irrgarten aus vielen GĂ€ngen, in dem man sich leicht verirrt. In Gruselgeschichten sind Labyrinthe gefĂ€hrliche Orte: Die WĂ€nde verschieben sich, GĂ€nge fĂŒhren im Kreis, und manchmal lauert in der Mitte ein Monster. Labyrinthe können unterirdisch sein (Katakomben, Höhlen) oder oberirdisch (Heckenlabyrinthe, verwinkelte Schlösser).
Das Gruselige am Labyrinth ist das GefĂŒhl, gefangen zu sein und den Ausgang nie zu finden. Jede Ecke sieht gleich aus, man lĂ€uft im Kreis, und langsam geht die Zeit oder das Licht aus. Manchmal verĂ€ndert sich das Labyrinth sogar, wĂ€hrend man darin ist.
"Jonas bog um die nÀchste Ecke des Steinlabyrinths. Auch hier wieder nur graue WÀnde und dieser endlose Gang. War er hier nicht schon mal gewesen? Er machte ein Kreuz an die Wand mit Kreide. Nach zehn Minuten stand er wieder vor demselben Kreuz - aber er war sicher, dass er nicht umgekehrt war! Hinter ihm hörte er schwere Schritte. Sie kamen nÀher. Er rannte los, bog links ab, dann rechts, dann wieder links. Jeder Gang sah gleich aus. Die Schritte wurden lauter..."
Ein Schloss in Gruselgeschichten ist eine alte, verfallene Burg, oft auf einem HĂŒgel oder Berg, umgeben von dunklen WĂ€ldern. Es hat lange, zugige GĂ€nge, knarrende Holzböden, verstaubte Zimmer mit verhĂ€ngten Spiegeln und Portraits, deren Augen einen zu verfolgen scheinen. Oft ist das Schloss seit Jahren oder Jahrhunderten verlassen.
Gruselige Schlösser haben viele geheime RĂ€ume: verborgene Kammern hinter BĂŒcherregalen, Geheimtreppen in den WĂ€nden, vergessene Verliese im Keller. Sie knarren und Ă€chzen im Wind, TĂŒren schlagen von selbst zu, und nachts hört man seltsame GerĂ€usche aus leeren Zimmern.
"Das verlassene Schloss ragte dĂŒster gegen den Gewitterhimmel. Mia schob das verrostete Eisentor auf - es quietschte ohrenbetĂ€ubend. Die Eingangshalle war riesig, aber dunkel und staubig. Ăberall hingen Spinnweben wie VorhĂ€nge. An den WĂ€nden hingen Portraits lĂ€ngst verstorbener Adeliger - und jedes einzelne Paar Augen schien ihr zu folgen, als sie zur Treppe ging. Der Boden knarrte bei jedem Schritt. Plötzlich schlug eine TĂŒr im Obergeschoss zu. Aber dort war doch niemand... oder?"