4.1 Was ist ein gutes Argument?
Ein vollständiges Argument besteht aus drei Teilen:
- Behauptung/These: Deine Meinung zu einem Aspekt
- Begründung: Warum ist das so?
- Beispiel/Beleg: Konkreter Nachweis oder Veranschaulichung
Beispiel für ein vollständiges Argument:
Behauptung: "Ich bin der Überzeugung, dass Handyverbote an Schulen kontraproduktiv sind."
Begründung: "Smartphones sind heutzutage wichtige Lernwerkzeuge, mit denen Schüler*innen schnell Informationen recherchieren, digitale Lernplattformen nutzen und Gruppenarbeiten organisieren können."
Beispiel: "In meiner Klasse nutzen wir beispielsweise regelmäßig Lern-Apps für Mathematik, die uns beim Üben helfen und sofortiges Feedback geben. Ein generelles Verbot würde diese moderne Form des Lernens unmöglich machen."
4.2 Argumentationsstrategien
a) Faktenargument
Basiert auf nachprüfbaren Tatsachen, Statistiken oder wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Beispiel: "Studien zeigen, dass Schüler*innen, die regelmäßig Sport treiben, bessere Noten erzielen. Laut einer Erhebung der Universität Wien verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit durch tägliche Bewegung um bis zu 20%."
b) Autoritätsargument
Bezieht sich auf Expert*innenmeinungen oder anerkannte Institutionen.
Beispiel: "Auch die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass Schulen gesunde Mahlzeiten anbieten sollten, um die Leistungsfähigkeit der Schüler*innen zu fördern."
c) Analogieargument
Vergleicht eine Situation mit einer ähnlichen, bekannten Situation.
Beispiel: "Ähnlich wie beim Führerschein, wo man erst nach einer Ausbildung fahren darf, sollte auch der Umgang mit sozialen Medien in der Schule gelehrt werden, bevor Jugendliche unbegleitet ins Netz gehen."
d) Normatives Argument
Beruft sich auf allgemein anerkannte Werte, Normen oder Rechte.
Beispiel: "Bildung ist ein Grundrecht, das allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zusteht. Daher müssen Schulbücher und digitale Lernmittel kostenlos zur Verfügung gestellt werden."
e) Plausibilitätsargument
Basiert auf logischem Nachdenken und Erfahrungswissen.
Beispiel: "Es ist nachvollziehbar, dass Schüler*innen nach sechs Unterrichtsstunden erschöpft sind und eine längere Mittagspause benötigen, um am Nachmittag wieder konzentriert arbeiten zu können."
4.3 Argumentationsketten aufbauen
Methode 1: Steigerung (Klimax)
Vom schwächsten zum stärksten Argument aufbauen.
Schwaches Argument → Mittleres Argument → Starkes Argument
"Zunächst ... Darüber hinaus ... Am wichtigsten ist jedoch ..."
Methode 2: Ping-Pong-Methode
Pro-Argument → Gegenargument entkräften → Nächstes Pro-Argument
"Einerseits ... Zwar wird oft eingewendet, dass ... jedoch ... Andererseits ..."
4.4 Gegenargumente entkräften
Zeige, dass du auch andere Sichtweisen kennst und berücksichtigt hast:
4.5 Typische Argumentationsfehler (Argumentative Fehlschlüsse)
Diese Fehler solltest du VERMEIDEN:
1. Ad hominem (Angriff auf die Person)
❌ "Der Autor ist ja sowieso inkompetent, deshalb kann man seine Meinung ignorieren."
✅ Kritisiere die Argumente, nicht die Person
2. Strohmann-Argument
❌ Die Position des Autors verzerrt darstellen und dann angreifen
✅ Die tatsächliche Position fair wiedergeben
3. Falsches Dilemma
❌ "Entweder wir verbieten Handys komplett oder die Schüler lernen nichts mehr."
✅ Zeige, dass es mehr als zwei Optionen gibt
4. Voreilige Verallgemeinerung
❌ "Mein Freund hatte ein schlechtes Erlebnis, also ist das System generell schlecht."
✅ Nutze repräsentative Beispiele oder Daten
5. Zirkelschluss
❌ "Hausaufgaben sind wichtig, weil sie wichtig sind."
✅ Liefere echte Begründungen
4.6 Übung: Argumente entwickeln
Aufgabe: Entwickle zu folgenden Thesen vollständige Argumente
(Behauptung + Begründung + Beispiel)
- "Schuluniformen sollten in österreichischen Schulen eingeführt werden."
- "Der Klimawandel muss auch in der Schule stärker thematisiert werden."
- "Soziale Medien haben einen negativen Einfluss auf Jugendliche."
Tipp: Entwickle auch Gegenargumente und überlege, wie du sie entkräften würdest!