1 · So arbeitest du mit dieser Seite
In der mündlichen Prüfung zählt, was du sagst und wie du es sagst. Deshalb ist der wichtigste Teil dieser Seite das laute Üben. Lies nicht nur, sondern sprich bei jedem Schritt laut – am besten stehend, wie in der Prüfung. Nimm dich mit dem Handy auf und hör dir die Aufnahme an. Das ist zuerst ungewohnt, aber es ist der schnellste Weg, um flüssiger und sicherer zu werden.
Lies Abschnitt 2. Dort steht, was an deinem Skript schon sehr gut ist und welcher Punkt bis zur Prüfung den größten Unterschied macht.
Vergleiche dein Skript mit der überarbeiteten Fassung in Abschnitt 3. Übernimm die grün markierten Ergänzungen in deinen eigenen Worten. Nutze dafür den Spickzettel in Abschnitt 4.
Eine Karte pro Abschnitt: nur Schlüsselwörter, die Zitate mit Zeilenangabe und die Wirkung in zwei, drei Wörtern. Keine ganzen Sätze – sonst liest du ab.
Mindestens zweimal mit Stoppuhr und Handyaufnahme. Danach mit dem Selbstcheck ankreuzen: Wo bin ich sicher, wo stocke ich?
In Abschnitt 6 ziehst du Zufallsfragen und beantwortest sie laut, bevor du das Antwortgerüst aufklappst. Mach das auch mit den Fragen aus deinem eigenen Diskussionsdokument.
Such dir aus Abschnitt 7 pro Kategorie zwei Formulierungen aus, die zu dir passen, und verwende sie bewusst in deinen Übungsantworten.
2 · Mein Feedback zu deinem Präsentationsskript
Einzelne Punkte in deinem Skript
| Korrektur | Kommentar |
|---|---|
| „den Kommentar von Berit Dießelkämper“ oder „Berit Dießelkämpers Kommentar“ statt: „Berit Dießelkämper’s Kommentar“ | Im Deutschen steht beim Genitiv-s kein Apostroph (Ausnahme: Namen, die auf s, ß, x, z enden). Kriterium 3.6 Sprachnormen. |
| Nach „Zunächst sollte ich den Inhalt … kurz wiedergeben“ wirklich drei bis vier Sätze Inhalt sagen | Ohne Inhaltswiedergabe fehlt in der Präsentation ein ganzer Arbeitsauftrag. |
| Die vier Sinnabschnitte kurz benennen, je ein Satz | Zeigt, dass du den Aufbau verstanden hast, und gibt den Prüfern Anknüpfungspunkte für Fragen. |
| Den Titel nennen und deuten: Rücken = Körper, Herz = Seele, Ellipse „Das Herz auch“ | Ein konkretes Beispiel wirkt viel kompetenter als die Ankündigung „die auffällige Gestaltung des Titels“. |
| Zu Umgangssprache, rhetorischen Fragen, Ausrufesätzen und Metaphern je ein Beispiel plus Wirkung | Kriterium 3.4 Treffsicherheit; in der Diskussion wirst du sehr wahrscheinlich nach Beispielen gefragt (siehe Abschnitt 4). |
| Die Intentionen konkret aufzählen: informieren, kritisieren, zum Nachdenken anregen, unterhalten | Das war ein Arbeitsauftrag der Klausur, also ein Pflicht-Schwerpunkt. |
| Satzanfänge abwechseln: „Auffällig ist …“, „Besonders deutlich wird das …“, „Die Autorin setzt … ein, um …“ | Statt vieler Sätze mit „Dabei habe ich …“: mehr Variation in der Wortwahl (Kriterium 3.3) und ein lebendigerer Vortrag. |
| Vor dem Dank ein Satz eigene Meinung zum Text | Schafft eine Brücke zur Diskussion und wirkt authentisch (Kriterium 1.3). |
3 · Überarbeitete Präsentation (Vorschlag)
Das ist deine Präsentation in deinem Aufbau, ergänzt um die fehlenden Inhalte. Grün markiert ist alles, was neu dazukommt. Blau und kursiv sind Stellen, die du mit deinen eigenen Angaben füllst. Übernimm, was zu dir passt, und formuliere um, wo es nicht nach dir klingt – in der Prüfung soll es deine Stimme sein. Falls deine vier Sinnabschnitte in der Klausur anders aussahen, nimm deine eigene Gliederung. Gesprochen dauert diese Fassung etwa sechs bis sieben Minuten.
EinstiegGuten Tag! Mein Name ist [Name] … [kurz zu dir, deine bisherigen Teilprüfungen und dein Ziel nach der Matura – so wie in deinem Skript]. Die Matura ist für mich wichtig, weil sie mir diesen Weg und weitere Möglichkeiten für meine berufliche Zukunft eröffnet.
ThemenpaketNun zu meiner schriftlichen Arbeit. Ich habe mich für das zweite Themenpaket mit dem Thema Arbeitswelt entschieden. Meine Arbeit besteht aus einer Textanalyse und einem Leserbrief. Ich möchte Ihnen nun meine Textanalyse zum Kommentar „Der Rücken tut weh. Das Herz auch“ von Berit Dießelkämper vorstellen. Der Text ist am 31. Mai 2021 in der Online-Ausgabe von Zeit Campus erschienen, einem Magazin, das sich vor allem an Studierende und junge Berufseinsteigerinnen und -einsteiger richtet.
ArbeitsaufträgeDa es sich um eine Textanalyse handelt, habe ich mich an den drei Arbeitsaufträgen orientiert: Zunächst sollte ich den Inhalt des Kommentars kurz wiedergeben, danach den Aufbau und die sprachliche Gestaltung analysieren und abschließend mögliche Intentionen der Autorin ableiten.
InhaltIn der Einleitung habe ich zunächst die wichtigsten Basisinformationen genannt und dann den Inhalt zusammengefasst. Die Autorin beschreibt darin ihren Einstieg ins Berufsleben. Als Schülerin und Studentin konnte sie sich ihre Zeit frei einteilen, jetzt ist ihr Tag in „Neun-bis-fünf“ und den Rest geteilt. Besonders schwer fällt ihr das Abschalten nach der Arbeit – weder Ratschläge aus dem Internet noch eine Meditationsapp helfen ihr wirklich. Sie ärgert sich darüber, dass ihr niemand vorher gesagt hat, wie anstrengend der Berufsalltag körperlich und seelisch ist. Am Ende stellt sie infrage, ob dieses Lebensmodell wirklich das beste ist, und verschiebt die Suche nach einer Lösung mit einem Augenzwinkern auf später.
AufbauIm Hauptteil habe ich mich mit der formalen und sprachlichen Gestaltung beschäftigt. Den Text habe ich in vier Sinnabschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt beschreibt die Autorin den Übergang vom Studentenleben ins Berufsleben. Im zweiten geht es um ihr Hauptproblem, den Feierabend und die Frage, wie man abschaltet. Der dritte Abschnitt beginnt mit der Zwischenüberschrift „Warum sollte ich mir das eigentlich antun?“ – hier wird ihre Kritik am Arbeitsalltag deutlich, der fast nur aus Arbeiten, Erledigungen und Schlafen besteht. Im letzten Abschnitt stellt sie das ganze System infrage und denkt über ihre eigene Zukunft nach. So lässt sich die Entwicklung ihrer Gedanken gut nachvollziehen.
TitelAuffällig ist schon der Titel. „Der Rücken tut weh. Das Herz auch“ besteht aus einem kurzen Hauptsatz und einer Ellipse. Der Rücken steht für die körperliche Belastung, das Herz für die seelische. Damit fasst der Titel das Thema des ganzen Textes bereits in einem Bild zusammen.
KontrastBesonders berücksichtigt habe ich den Kontrast zwischen Studentenleben und Berufsleben, der gleich am Anfang deutlich wird. Die Autorin vergleicht den Berufseinstieg mit einer dunklen Wolke, die lange weit hinten am Himmel war und jetzt direkt über ihr steht. Diese Metapher zeigt sehr anschaulich, wie eine ferne Sorge plötzlich Realität wird. Dem stellt sie ihr früheres Leben gegenüber: mit einem Drink auf einer Erasmusparty, wo ihre einzige Sorge war, nicht in den Pool geschubst zu werden. Dadurch wird die Veränderung ihrer Lebenssituation besonders anschaulich.
SpracheTypisch für den Text ist die Umgangssprache, zum Beispiel „reinschubsen“, „halt“ oder „Ging dann irgendwie doch ganz schnell“. Zusammen mit Anglizismen wie „Meditationsapp“ oder „Walking Meditation“ wirkt der Text dadurch authentisch und nah an der jungen Zielgruppe. Mit rhetorischen Fragen wie „Warum sollte ich mir das eigentlich antun?“, die sogar zweimal vorkommt, oder „Das soll es jetzt also sein?“ bringt sie ihre Zweifel auf den Punkt und regt die Leserinnen und Leser zum Mitdenken an. Der Ausrufesatz „Bitte lass das nicht alles sein!“ zeigt ihre Verzweiflung über Ratschläge zur Selbstoptimierung wie Netzwerken oder Marathonlaufen.
Ironie & BilderEine große Rolle spielt auch die Ironie: Wenn sie die Arbeitswelt als das „angeblich bestmögliche Zeitverwendungskonzept“ der Menschheit bezeichnet, meint sie eigentlich das Gegenteil. Mit der Metapher vom „Hamsterleben“ beschreibt sie einen eintönigen Alltag, in dem man sich ständig dreht, aber nicht vorankommt. Und mit „Nennt mich Schneeflocke“ nimmt sie die Kritik vorweg, junge Menschen seien zu empfindlich – und nimmt sich dabei selbst ein bisschen auf die Schippe.
IntentionenIm Schlussteil meiner Textanalyse habe ich mögliche Intentionen der Autorin herausgearbeitet. Erstens möchte sie informieren: Sie zeigt, welche Schwierigkeiten beim Berufseinstieg auf junge Menschen zukommen – genau das, was ihr selbst niemand erzählt hat. Zweitens übt sie Kritik an der starren Trennung von Arbeit und Freizeit und an dem Druck, sogar die Freizeit noch produktiv zu nutzen. Drittens möchte sie zum Nachdenken über die eigenen Erwartungen an das Arbeitsleben anregen. Und schließlich unterhält sie durch ihre selbstironische, pointierte Art.
SchlussInsgesamt habe ich versucht, die Inhalts-, Struktur- und Sprachebene miteinander zu verbinden. Die vielen umgangssprachlichen und ironischen Mittel machen die Kritik der Autorin glaubwürdig und gleichzeitig unterhaltsam. Ich persönlich finde, dass der Text vielen jungen Menschen aus der Seele spricht, weil … [ein Satz deiner eigenen Meinung]. Damit bin ich am Ende meiner Präsentation angelangt. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
4 · Spickzettel: Belege und ihre Wirkung
Diese Tabelle ist dein Vorrat für Präsentation und Diskussion. Präge dir fünf bis sechs Belege mit Zeilenangabe ein. Wenn ein Prüfer fragt „Können Sie dafür ein Beispiel nennen?“, kannst du sofort liefern. Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Textbeilage im Aufgabenheft.
| Mittel | Beispiel | Zeile | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Ellipse, Parallelismus im Titel | „Der Rücken tut weh. Das Herz auch“ | Titel | körperliche und seelische Belastung in einem Bild; macht neugierig |
| Metapher | dunkle Wolke weit hinten am Himmel → Wolke direkt über mir | 3–7, 14 | ferne, diffuse Sorge wird plötzlich Realität |
| Kontrast | Drink auf der Erasmusparty, „nachts im Bett mit Bier“ ↔ „Neun-bis-fünf“ | 7–13, 32, 34 | Freiheit des Studiums gegenüber geregeltem Berufsleben |
| Parenthese | „– die Nichtarbeitszeit –“ | 22–25 | ironische Zuspitzung: Freizeit nur noch als Rest der Arbeit |
| Rhetorische Frage, Paradoxon | „Aber was mache ich bitte mit dieser Zeit, die ich all die Jahre nie hatte?“ | 36–38 | Ratlosigkeit; Widerspruch, denn sie hatte früher mehr freie Zeit |
| Umgangssprache | „reinschubsen“, „Ging dann irgendwie doch ganz schnell“, „halt“ | 13–15, 49 | Nähe, Authentizität, Sprache der Zielgruppe |
| Anglizismen | „Meditationsapp“, „Walking Meditation“, „slacklinen“ | 62–64, 202 | Lebenswelt junger Menschen |
| Aufzählung + Ausrufesatz | „sich weiterbilden, netzwerken, Marathon laufen. Bitte lass das nicht alles sein!“ | 87–90 | Kritik am Selbstoptimierungsdruck, Verzweiflung |
| Rhetorische Frage als Zwischenüberschrift (Wiederholung) | „Warum sollte ich mir das eigentlich antun?“ | 91–92, 137–138 | Leitfrage des Textes, gliedert die Kritik |
| Metapher | niemand steht am Streckenrand, um sie zu beglückwünschen | 111–113 | Leben als Wettlauf; am Ziel fehlt die Anerkennung |
| Wiederholung | „funktionierenden und produzierenden Gesellschaft … funktionieren und produzieren“ | 115–118 | Monotonie; der Mensch wirkt wie eine Maschine |
| Hyperbel | „alles dauert ewig“ | 126 | Gefühl der Überforderung |
| Paradoxon | Problem mit dem Feierabend gelöst: „Es gibt erst einmal keinen.“ | 165–167 | bittere, ironische „Lösung“ |
| Ellipse, Ironie | „Wie schön.“ | 170 | Sarkasmus, gemeint ist das Gegenteil |
| Ironie, Euphemismus | „das angeblich bestmögliche Zeitverwendungskonzept“ | 174–176 | Kritik am etablierten System von Arbeit |
| Metapher, Selbstironie | „Nennt mich Schneeflocke“ | 183 | nimmt den Vorwurf der Überempfindlichkeit vorweg |
| Klimax | „Freizeit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung“ | 193–195 | betont, was jungen Menschen wichtig ist |
| Metaphern | „Hamsterleben“; mit einem Bulli über die Anden slacklinen | 198–202 | eintöniger Alltag vs. übertriebener Ausstiegstraum |
Textsorte Kommentar – falls danach gefragt wird
Ein Kommentar ist eine meinungsbetonte journalistische Textsorte: Die Verfasserin bezieht subjektiv Stellung zu einem aktuellen Thema, meist in der Ich-Form, und versucht die Leserschaft zu überzeugen oder zum Nachdenken zu bringen. Dießelkämpers Text ist sehr persönlich und arbeitet stark mit Ironie und Übertreibung, er hat dadurch auch Züge einer Glosse oder Kolumne. Aufgebaut ist er aus Dachzeile („Berufseinstieg“), Titel, Lead („Der erste Job ist aufregend. Und anstrengend. Besonders der Feierabend!“), Einleitung, Hauptteil und Schluss.
5 · Dein Leserbrief – Gerüst für Präsentation und Diskussion
Auch wenn du in der Präsentation vor allem die Textanalyse vorstellst, können die Prüfer in der Diskussion jederzeit auf deinen Leserbrief eingehen. Halte deshalb diese Punkte griffbereit. Lies deinen Leserbrief noch einmal und fülle die blauen Stellen mit dem, was du in der Klausur tatsächlich geschrieben hast. Falls auch der Leserbrief Teil deiner Präsentation sein soll, kannst du ihn mit diesen vier Bausteinen in zwei bis drei Minuten vorstellen.
Basisinfos
Anlass war der Beitrag „Die Arbeitszeit als Generationenfrage?“ von Selina Thaler, erschienen am 6. Jänner 2022 in der Online-Ausgabe der Tageszeitung Der Standard. Adressaten: Redaktion und Leserschaft des Standard.
Arbeitsauftrag 1: Unterschiede
Ältere: Präsentismus (Anwesenheit im Büro gilt als Leistung), viele Überstunden, Status und Gehalt als Motivation, „man bleibt, solange der Chef bleibt“.
Jüngere: 85 % wünschen flexible Arbeitszeiten, 30 Stunden oder weniger gelten als ideal, Teilzeit auch mit weniger Geld, Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung, Sorge vor Burnout.
Überraschung: Rund 80 % der Jungen wollen trotzdem die Erwartungen des Chefs übertreffen, fast zwei Drittel würden mehr arbeiten als nötig.
Arbeitsauftrag 2: Stellungnahme
Ich habe Stellung genommen zu [z. B. flexiblen Arbeitszeiten / 30-Stunden-Woche / Work-Life-Balance]. Meine Position: [ich unterstütze / ich sehe kritisch, dass …], weil [Begründung], zum Beispiel [Beispiel aus Alltag, Branche, Erfahrung].
Mögliche Differenzierung: Was im Büro gut funktioniert, ist in Pflege, Handel oder Gastronomie schwerer umsetzbar.
Arbeitsauftrag 3: Mein Arbeitsleben
Meine Vorstellungen: [z. B. Tätigkeit, Arbeitszeiten, Homeoffice, Weiterbildung, Zeit für Familie und Hobbys]. Wichtig ist mir dabei: [Sinn / Sicherheit / Freiheit …].
6 · Diskussion selbstständig üben
Im Diskussionsteil bewerten die Prüfer, ob du deinen Standpunkt begründen, auf Gegenargumente reagieren und Gedanken weiterentwickeln kannst. Das lernst du nur durch lautes Antworten. Die folgenden Fragen ergänzen die Fragen aus deinem eigenen Diskussionsdokument – übe beide nach derselben Methode.
- Zieh eine Zufallsfrage und lies sie – noch nicht aufklappen.
- Überleg höchstens 30 Sekunden (Stoppuhr oben auf 1 min stellen).
- Antworte laut ein bis zwei Minuten, am besten mit Handyaufnahme.
- Klapp jetzt das Antwortgerüst auf und vergleiche: Hattest du Standpunkt, Begründung, Beispiel und Fazit? Welche Idee fehlte?
- Antworte ein zweites Mal – diesmal mit den neuen Ideen und einem Redemittel aus Abschnitt 7.
Standpunkt („Ich bin der Meinung, dass …“) → Begründung („weil …“) → Beispiel („Das sieht man zum Beispiel daran, dass …“ / Textbeleg) → Fazit („Deshalb finde ich …“). Bei Gegenargumenten: anerkennen („Da ist etwas Wahres dran …“) → einschränken („Allerdings …“) → eigene Position bekräftigen.
A · Fragen zur Textanalyse
A1Warum handelt es sich bei diesem Text um einen Kommentar und nicht um einen Bericht?Textsorte
- Kommentar = meinungsbetont, subjektiv, Ich-Perspektive; Bericht = sachlich, neutral, informierend.
- Die Autorin wertet ständig („Das soll es jetzt also sein?“) und erzählt aus eigener Erfahrung.
- Zusätzlich Ironie und Übertreibung → Nähe zur Glosse/Kolumne.
A2Der Text ist voller Umgangssprache. Ist das für einen Kommentar nicht unseriös?Gegenargument
- Anerkennen: In einer Qualitätszeitung wirkt das zunächst ungewöhnlich.
- Aber: Zielgruppe von Zeit Campus sind junge Menschen → Umgangssprache schafft Nähe und Glaubwürdigkeit.
- Die Autorin mischt bewusst: daneben bildungssprachliche Wörter wie „diffus“, „Konditionen“, „absolvieren“ → zeigt Reflexion.
A3Welches sprachliche Mittel halten Sie für das wirkungsvollste – und warum?eigene Wertung
- Ein Mittel wählen und überzeugend begründen, z. B. die Wolken-Metapher: Sie eröffnet den Text, ist sofort verständlich und zeigt die Wende vom Studium zum Beruf.
- Alternative: der Titel, weil er Körper und Seele verbindet und das Thema in sechs Wörtern zusammenfasst.
A4Wie endet der Text, und wie wirkt dieser Schluss auf Sie?Aufbau
- Sie will nicht mit 40 aus ihrem „Hamsterleben“ aussteigen müssen, verschiebt die Lösung aber „in ein halbes Jahr“.
- Wirkung: ironische Pointe, offenes Ende; das Problem bleibt ungelöst – das wirkt ehrlich und realistisch.
A5Welche Rolle spielt die ältere Kollegin im Text?Inhalt
- Sie nennt es „Wachstumsschmerz“: Man gewöhne sich daran und wachse mit den Aufgaben.
- Sie vertritt die Haltung der älteren Generation; die Autorin übernimmt diese Sicht nicht, sondern stellt sie infrage → Generationenkonflikt, Brücke zum Leserbrief.
A6Jammert die Autorin nicht einfach auf hohem Niveau?Provokation
- Anerkennen: Sie sagt selbst, dass es viel belastendere Dinge im Leben gibt.
- Einschränken: Ihr Punkt ist berechtigt – der Übergang ins Berufsleben ist eine echte Umstellung, und niemand bereitet darauf vor.
- Fazit: Durch die Selbstironie wirkt sie reflektiert und nicht weinerlich; sie spricht ein Gefühl aus, das viele kennen.
A7Wie sind Sie beim Analysieren vorgegangen?Methode
- Text zweimal gelesen, Sinnabschnitte markiert, sprachliche Mittel am Rand notiert.
- Zu jedem Mittel die Frage gestellt: Was bewirkt es, und was hat das mit der Aussage des Textes zu tun?
- Aus den Ergebnissen die Intentionen abgeleitet.
A8Was möchte die Autorin mit dem Text erreichen? Nennen Sie die wichtigste Intention.Intention
- Vier Intentionen kennen: informieren, kritisieren, zum Nachdenken anregen, unterhalten.
- Eine als wichtigste begründen, z. B. Kritik an der starren Trennung von Arbeit und Freizeit – das zeigen die vielen ironischen Stellen.
B · Fragen zum Thema Arbeitswelt und zum Leserbrief
B1Welche Unterschiede zwischen Älteren und Jüngeren beschreibt der Standard-Beitrag?Wiedergabe
- Arbeitszeit: Vollzeit plus Überstunden ↔ flexible Teilzeit.
- Arbeitsort: Anwesenheit im Büro ↔ hybrides Arbeiten.
- Gehalt und Status ↔ Selbstverwirklichung und Ausgleich.
- Gesundheit: Burnout-Gefahr ↔ Work-Life-Balance.
B2Bestätigt der Kommentar von Dießelkämper die Aussagen des Standard-Beitrags?Textvergleich
- Ja: Sie sagt selbst, dass Status und Erfolg für junge Menschen unwichtiger werden und Freizeit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung wichtiger.
- Auch die Kollegin passt zur „alten Welt“.
- Interessant: Die Autorin arbeitet trotzdem viel und beantwortet abends Mails – ähnlich wie die 80 %, die die Erwartungen des Chefs übertreffen wollen.
B3Ist eine 30-Stunden-Woche für alle realistisch?Diskussion
- Pro: mehr Erholung, weniger Burnout, oft gleiche Produktivität, neue Stellen können entstehen.
- Contra: weniger Gehalt, Fachkräftemangel, in Pflege, Handel oder Gastronomie schwer umsetzbar.
- Differenziertes Fazit: abhängig von Branche und Lebensphase → individuelle Modelle.
B4„Die Jungen wollen einfach nicht mehr arbeiten.“ Was sagen Sie dazu?Provokation
- Widersprechen mit Beleg: Laut Beitrag wollen rund 80 % der Jungen die Erwartungen des Chefs übertreffen, fast zwei Drittel würden mehr arbeiten als nötig.
- Sie wollen anders arbeiten – flexibler, gesünder, sinnvoller.
- Fazit: Die Arbeitsmoral ist vorhanden, die Ansprüche haben sich verändert.
B5Homeoffice – eher Vorteil oder Nachteil?Diskussion
- Vorteile: Flexibilität, kein Arbeitsweg, bessere Vereinbarkeit.
- Nachteile: laut Beitrag seltener befördert, digitaler Präsentismus durch Dauererreichbarkeit; bei der Autorin verschwimmen Arbeit und Freizeit, weil sie zu Hause am Computer arbeitet.
B6Wer ist dafür verantwortlich, junge Menschen auf das Berufsleben vorzubereiten?Transfer
- Die Autorin beklagt, dass ihr niemand gesagt hat, wie es wirklich ist.
- Schule (realistische Berufsorientierung), Arbeitgeber (gute Einschulung, Mentoring), aber auch Eigenverantwortung.
C · Persönliche Fragen und Transfer
C1Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Arbeitsleben vor?persönlich
- Konkret werden: welche Tätigkeit, welche Arbeitszeiten, wie viel Homeoffice, was dir wichtig ist.
- Mit deinem Leserbrief verknüpfen (Arbeitsauftrag 3) und mit dem Ziel, das du in deiner Präsentation nennst.
C2Kann man Arbeit und Freizeit überhaupt trennen, wenn der Beruf gleichzeitig eine Leidenschaft ist?Weiterdenken
- Gerade in kreativen Berufen verschwimmt die Grenze – Ideen kommen nicht nur zwischen neun und fünf.
- Chance (Sinn, Freude) und Risiko (Selbstausbeutung, nie abschalten wie bei der Autorin).
- Fazit: bewusste Pausen und Grenzen setzen.
C3Welchen Rat würden Sie der Autorin geben?Weiterdenken
- Z. B. feste Feierabend-Rituale, Mails nach Dienstschluss nicht mehr lesen, mit Vorgesetzten über flexible Modelle sprechen, sich Zeit für die Eingewöhnung geben.
C4Warum haben Sie sich für dieses Themenpaket entschieden?persönlich
- Ehrlich und persönlich antworten: Das Thema betrifft dich direkt, du stehst selbst vor einem beruflichen Neuanfang, die Texte haben dich angesprochen.
C5Wird künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern?spontan
- Chancen: Routinearbeiten werden schneller, neue Werkzeuge.
- Risiken: Druck auf manche Berufe, offene Fragen zu Urheberrecht und Datenschutz.
- Eigene Haltung: Menschliche Ideen, Urteilskraft und Gespür für andere Menschen bleiben wichtig.
D · Spontane Provokationen (Kriterium 2.2)
Solche Sätze werfen Prüfer gern ohne Vorwarnung ein. Ziel ist eine ruhige, begründete Reaktion nach dem Muster anerkennen – einschränken – eigene Position.
D1„Wer Karriere machen will, muss eben Überstunden machen.“Provokation
- Anerkennen: Laut Beitrag werden Mitarbeitende, die oft gesehen werden, tatsächlich eher befördert. Einschränken: Dauerhafte Überstunden führen zu Burnout. Position: Leistung sollte an Ergebnissen gemessen werden.
D2„Teilzeit ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann.“Provokation
- Zustimmen, dass das Einkommen reichen muss; trotzdem sollte es die Möglichkeit geben; Lösung: flexible Modelle statt Entweder-oder.
D3„Die Generation Z besteht aus Schneeflocken.“Provokation
- Bezug zum Text: Die Autorin nimmt genau diesen Vorwurf selbstironisch vorweg. Position: Grenzen zu setzen ist ein Zeichen von Gesundheitsbewusstsein und hat mit Schwäche wenig zu tun.
D4„Arbeit ist zum Geldverdienen da – den Sinn sucht man in der Freizeit.“Provokation
- Für manche stimmt das (die Autorin nennt die Gehaltsabrechnung als Antwort auf ihre Frage). Aber wir verbringen einen Großteil des Lebens bei der Arbeit, deshalb ist Sinn dort ebenso wichtig.
7 · Redemittel für die Diskussion
Such dir pro Kasten zwei Formulierungen aus, die sich für dich natürlich anfühlen, und sprich sie mehrmals laut. In der Prüfung kommen sie dann von allein.
Standpunkt begründen (2.1)
Meiner Ansicht nach …
Ich bin davon überzeugt, dass …, weil …
Ein wichtiges Argument dafür ist …
Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass …
Auf Gegenargumente reagieren (2.2)
Da haben Sie in gewisser Weise recht, allerdings …
Das sehe ich etwas anders, denn …
Man darf dabei aber nicht vergessen, dass …
Das trifft vielleicht auf … zu, auf … aber weniger.
Gedanken aufgreifen (2.3)
Um noch einmal auf … zurückzukommen …
Das erinnert mich an eine Stelle im Kommentar, wo …
Wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, …
Das passt auch zu meinem Leserbrief, weil …
Zeit gewinnen & nachfragen
Das ist eine interessante Frage, darüber muss ich kurz nachdenken.
Darf ich die Frage noch einmal hören?
Meinen Sie damit eher … oder …?
Lassen Sie es mich so formulieren: …
Zusammenfassen & abschließen (2.4)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …
Für mich ist entscheidend, dass …
Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass …
8 · Selbstcheck nach dem Beurteilungsraster
Nach jedem lauten Durchgang hörst du dir deine Aufnahme an und kreuzt ehrlich an. Das ist derselbe Raster, mit dem die Prüfer arbeiten. Die Spalten bedeuten: 1 weit über das Wesentliche hinausgehend erfüllt · 2 über das Wesentliche hinausgehend erfüllt · 3 in den wesentlichen Bereichen zur Gänze erfüllt · 4 in den wesentlichen Bereichen überwiegend erfüllt · 5 in den wesentlichen Bereichen nur zum Teil erfüllt. Überall, wo du bei 4 oder 5 landest, weißt du, was du als Nächstes übst.
| Kriterium | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|
Meine Notizen
Hinweis: Kreuze und Notizen werden nicht gespeichert. Wenn du deine Einschätzung behalten möchtest, mach einen Screenshot.
9 · Deine Checkliste und der Prüfungstag
Bis zur Prüfung
Am Prüfungstag
Sprich langsamer, als es sich anfühlt – Aufregung macht schnell. Wenn du eine Frage nicht sofort verstehst, frag nach; das ist erlaubt und wirkt souverän. Fehlt dir ein Wort, umschreib es in Ruhe. Und vergiss nicht: Du hast die Klausur geschrieben, du kennst diese Texte besser als jede andere Person im Raum. Du gehst als Expertin für deine eigene Arbeit hinein.