Was ist ein Leserbrief?
Bevor du schreibst, musst du genau wissen, was die Textsorte von dir verlangt und woran deine Lehrerin oder dein Lehrer die Schularbeit misst.
Der Leserbrief ist eine argumentative und appellative Textsorte. Du reagierst damit auf einen Zeitungsbeitrag, den du gelesen hast, greifst sein Thema auf und äußerst deine eigene Meinung: Du kannst widersprechen, kritisieren, bestärken oder ergänzen. Deine Position begründest du mit Argumenten, und am Schluss forderst du die Leserschaft mit einem Appell zu einem bestimmten Verhalten auf.
Wichtig: Deine Meinung muss klar erkennbar sein, du darfst werten („Ärgerlich ist, dass …“) und du sollst sogar Fakten ergänzen, die im Ausgangstext nicht vorkommen. Ein Leserbrief ist also keine Zusammenfassung, sondern ein engagierter, aber sachlicher Beitrag zur öffentlichen Diskussion.
So wird deine Schularbeit beurteilt
Bei Schreibaufträgen im Stil der Reifeprüfung wird in vier Bereichen bewertet. Wenn du sie kennst, weißt du, worauf du achten musst:
| Bereich | Was das für deinen Leserbrief heißt |
|---|---|
| Inhalt | Alle Arbeitsaufträge sind erfüllt, der Bezug zum Ausgangstext ist klar, deine Argumente sind überzeugend und mit Beispielen gestützt. |
| Textstruktur | Betreff, Anrede, Einleitung, Hauptteil, Schluss mit Appell und Grußformel; Absätze mit Leerzeilen; ein roter Faden mit guten Überleitungen. |
| Stil und Ausdruck | Sachlich-engagierter Ton, Höflichkeitsform, abwechslungsreicher Wortschatz, passende Begründungswörter, keine Umgangssprache. |
| Normative Sprachrichtigkeit | Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung (z. B. dass/das, Kommas vor weil, da, dass, großgeschriebenes Sie/Ihnen). |
QuizWie gut kennst du die Textsorte?
Wähle jeweils die richtige Antwort aus.
Die Arbeitsaufträge beginnen immer mit einem Operator, einem Verb, das dir genau sagt, was du tun sollst. Typisch für den Leserbrief sind wiedergeben, erläutern, (kritisch) Stellung nehmen und appellieren; in den Aufgaben deines Buches kommen auch erklären, beschreiben und gestalten vor. Jeder Arbeitsauftrag bekommt in deinem Brief mindestens einen eigenen Absatz.
ZuordnenWas verlangt welcher Operator?
Wähle zu jedem Operator die passende Bedeutung aus. Jede Bedeutung passt genau einmal.
Der Aufbau
Ein Leserbrief folgt einem festen Bauplan. Wenn du ihn im Schlaf kannst, bleibt in der Schularbeit viel mehr Energie für gute Argumente.
Der Bauplan im Überblick
| Teil | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| Briefkopf (optional) | Absender, Empfänger (Redaktion), Ort und Datum. Bei der Schularbeit nach Reifeprüfungsart nicht notwendig. | Wien, am 28. Februar 2024 |
| Einleitung | Betreff (hervorgehoben), Anrede, eventuell Ersuchen um Abdruck, Bezug zum Ausgangstext (Titel, Verfasser/in, Zeitung, Datum, Thema), Schreibanlass (deine Betroffenheit), Überleitung | Betreff: Flugreisen – ja oder nein? Sehr geehrtes Redaktionsteam! Mit Interesse habe ich den Beitrag … gelesen. |
| Hauptteil | Alle Arbeitsaufträge erfüllen; immer wieder Bezug auf den Ausgangstext; eigene Position mit Argumenten nach dem 3-B-Schema; Leserschaft in eine Richtung „lenken“ | Meiner Ansicht nach ist es absolut vermeidbar, kurze Strecken in Europa zu fliegen, da … |
| Schluss | Schlussappell, (Lösungs-)Vorschlag oder Kompromiss, eventuell Ausblick | Ich rufe Sie dazu auf, … Tun wir es der Umwelt zuliebe! |
| Schlussformel | Grußformel, Unterschrift, Name (eventuell kurze Angabe zur Person) | Mit freundlichen Grüßen Vorname Nachname |
Sprachliche Besonderheiten: Argumente nach dem 3-B-Schema, appellative Sprache und das Tempussystem des Präsens (Präsens, Perfekt, Futur I, im Aktiv und im Passiv). Länge: 270–330 Wörter.
OrdnenBring die Bausteine in die richtige Reihenfolge
Verschiebe die Bausteine mit den Pfeilen, bis der Bauplan stimmt.
ZuordnenEinleitung, Hauptteil oder Schluss?
Wo steht dieser Satz in einem Leserbrief? Klicke den passenden Teil an.
Ausgangstext und Arbeitsaufträge knacken
Dein Brief steht und fällt damit, dass du den Ausgangstext genau verstehst und jeden Arbeitsauftrag richtig deutest. Hier übst du das an den drei Schreibaufträgen aus deinem Buch.
Lies zuerst die Aufgabenstellung und markiere die Operatoren. Lies dann den Text zweimal: beim ersten Mal, um das Thema zu erfassen, beim zweiten Mal mit dem Stift in der Hand. Markiere in drei Farben Behauptungen, Begründungen und Beispiele und notiere am Rand in Stichworten, was dich überzeugt und wo du widersprechen möchtest. Genau diese Randnotizen werden später deine Argumente.
Text A: „Sollen wir für das Klima auf das Fliegen verzichten?“
Kerninhalte in Stichworten (zum Nachschlagen)
Pro Verzicht (Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000): Fliegen ist heute für viele selbstverständlich, obwohl es die klimaschädlichste Art zu reisen ist. Nach dem Urlaub wird oft über Verspätungen, Schlangen und versteckte Gebühren geschimpft. Man sollte sich fragen, was man vom Urlaub eigentlich will, denn Erholung und Erlebnisse gibt es auch in der Nähe; viele Ziele erreicht man mit Bahn und Bus. Sanfter Tourismus wie Rad- und Wanderurlaub wird beliebter.
Kontra Verzicht (Peter Kleemann, Unternehmenssprecher der Flughafen Wien AG): Die Luftfahrt verursacht nur einen geringen Teil der CO₂-Emissionen. Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Durch das CORSIA-Abkommen darf die Luftfahrt seit 2020 nur noch CO₂-neutral wachsen; der Flughafen Wien arbeitet seit Jänner 2023 CO₂-neutral; ab 2025 werden alternative Treibstoffe beigemischt.
ZuordnenWer sagt das – Pro oder Kontra?
Ordne jede Aussage der Position zu, die sie im Text vertritt.
Text B: „Offene Bücherschränke: Nostalgiefaktor Buch“
Kerninhalte in Stichworten (zum Nachschlagen)
Bericht von Niklas Hintermayer, Wiener Zeitung, 13. Februar 2017. In Wien gibt es zu diesem Zeitpunkt zehn offene Bücherschränke, weitere sind geplant. Die Regel: Wer Bücher übrig hat, stellt sie hinein, wer etwas Interessantes findet, nimmt es mit – ein zeitversetzter Tauschhandel. Der erste Schrank steht seit Anfang 2010 an der Ecke Westbahnstraße/Zieglergasse im 7. Bezirk. Initiator ist der Künstler Frank Gassner, der sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung des öffentlichen Raums wendet. Probleme: Manche Schränke werden ausgeräumt und die Bücher weiterverkauft. Ein Schrank in der Josefstadt wurde 2013 von der Bezirksvertretung errichtet und ist nach Kategorien sortiert. Gassner ärgert sich vor allem über die Bezirkspolitik.
Richtig/FalschSteht das so im Bericht?
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie dem Text entspricht.
Text C: „Die zehnte Ferienwoche“
Kerninhalte in Stichworten (zum Nachschlagen)
Beitrag von Mirjam Marits, Die Presse, 1. Juli 2022. Die Autorin meint mit einem Augenzwinkern, dass die letzte Schulwoche vor dem Zeugnistag eigentlich schon eine zehnte Ferienwoche ist: keine Hausübungen und Tests mehr, dafür Schwimmen, Picknick und Museumsbesuche. Sie findet das wunderbar; als Erwachsene wäre sie in dieser Woche selbst gern wieder Schulkind. Auch zu Hause zieht Ferienstimmung ein: spätere Schlafenszeit, fast täglich Eis. Am Ende wünscht sie allen schöne Ferien und eine schöne geheime zehnte Ferienwoche.
Richtig/FalschSteht das so im Beitrag?
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie dem Text entspricht.
QuizWas will der Arbeitsauftrag wirklich von dir?
Viele verlieren Punkte, weil sie einen Auftrag falsch deuten oder vergessen. Wähle jeweils die richtige Deutung.
Die Einleitung
Die Einleitung ist der Teil, den du am besten vorbereiten kannst, denn sie folgt fast immer demselben Muster. Mit diesem Gerüst bist du in fünf Minuten fertig.
Betreff: [kurz, treffend, gern zugespitzt]
Sehr geehrtes Redaktionsteam!
Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag „[Titel]“ von [Vorname Nachname] gelesen, der am [Datum] in der Online-Ausgabe der [Zeitung] erschienen ist. Darin geht es um [Thema in einem Satz]. Da [dein Schreibanlass aus der Situation], hat mich das Thema sofort angesprochen. In den folgenden Zeilen möchte ich Ihnen meine Meinung dazu darlegen.
Abwechslung für den ersten Satz: „Ihr Beitrag … hat mich zum Nachdenken gebracht.“ · „Mit Freude/Verwunderung/Sorge habe ich … gelesen.“ · „Als Schülerin bin ich von dem Thema, das … in ihrem Artikel … aufgreift, direkt betroffen.“
LückentextWelche Angaben gehören zu welchem Text?
Setze die richtigen Angaben in die drei Einleitungen ein. Achtung: Die falschen Auswahlmöglichkeiten stammen aus den anderen Texten.
QuizBetreff, Anrede, Schreibanlass
Wähle jeweils die beste Lösung.
MehrfachauswahlWelche Anreden passen in einen Leserbrief?
Markiere alle passenden Anreden. Es sind mehrere richtig.
A 23Die Einleitungstabelle zum Flugreisen-Text
Fülle die Tabelle aus deinem Buch hier aus. Danach kannst du deine Angaben mit der Musterlösung vergleichen.
Argumentieren mit dem 3-B-Schema
Eine Meinung allein überzeugt niemanden. Erst wenn du sie begründest und mit einem Beispiel belegst, wird daraus ein Argument.
Behauptung – Was meinst du? Es ist wichtig, den Fleischkonsum zu reduzieren,
Begründung – Warum? da viele Ressourcen unnötigerweise für die Fleischproduktion verschwendet werden.
Beispiel/Beweis – Woran sieht man das? Die Fläche, die für den Anbau von Futtermitteln verwendet wird, könnte ein Vielfaches an Menschen ernähren, wenn die Pflanzen direkt als Nahrungsmittel dienten.
Typische Signalwörter für Beispiele: So …, zum Beispiel, beispielsweise, etwa, wie der Artikel zeigt …, meine Erfahrung bestätigt das, denn …
ZuordnenBehauptung, Begründung oder Beispiel?
Hier wurden drei Argumente in ihre Teile zerlegt und vermischt. Bestimme, welcher Teil jeweils vorliegt.
QuizWas fehlt dem Argument?
Jedes dieser Argumente ist unvollständig. Welcher Baustein fehlt?
A 15Ergänze Begründung und Beispiel
Mach aus jeder Behauptung ein vollständiges Argument. Schreib zuerst selbst, dann vergleiche mit dem Vorschlag.
Besonders überzeugend wirkt dein Brief, wenn du ein Gegenargument selbst ansprichst und es dann widerlegst. So zeigst du, dass du die andere Seite kennst und trotzdem gute Gründe hast. Das Muster lautet: Gegenargument nennen → teilweise anerkennen → entkräften → zurück zur eigenen Position.
„Zwar behaupten manche, dass …, doch …“ · „Kritiker mögen einwenden, dass … Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass …“ · „Natürlich stimmt es, dass …; trotzdem …“ · „Dieses Argument greift allerdings zu kurz, denn …“
SchreibenEntkräfte das Gegenargument
Schreibe zu jedem Gegenargument zwei bis drei Sätze nach dem Muster oben.
Sprachliche Mittel für Begründungen
Begründungswörter verbinden deine Gedanken. Entscheidend ist, wohin danach das Verb wandert.
Die vier Gruppen auf einen Blick
| Gruppe | Wörter | Wo steht das Verb? | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Nebenordnende Konjunktion | denn | normale Hauptsatzstellung, Verb an 2. Stelle | Tiergärten sollten verboten sein, denn es handelt sich um keine artgerechte Haltung. |
| Kausaladverb (im Satz) | nämlich | steht im Satz, nach dem Verb | Tiergärten sollten verboten sein, es handelt sich nämlich um keine artgerechte Haltung. |
| Kausaladverbien (Folge) | deshalb, daher, deswegen, somit, aus diesem Grund | Verb direkt danach | Tiere werden nicht artgerecht gehalten, deshalb sollten Tiergärten verboten sein. |
| Unterordnende Konjunktion | weil, da, zumal (= zusätzlicher Grund) | Verb am Ende des Nebensatzes | Tiergärten sollten verboten sein, da keine artgerechte Haltung stattfindet. |
| Präposition + Nomen | wegen, aufgrund, infolge, mangels (+ Genitiv), aus (+ Nomen ohne Artikel), dank | kein eigener Satz, nur ein Nomen | Aufgrund des geringen Platzes … · Aus Platzmangel … |
LückentextWelches Wort passt hier?
Achte auf die Stellung des Verbs – sie verrät dir das richtige Wort. Bei jeder Lücke ist genau eine Möglichkeit richtig.
QuizWelcher Satz ist richtig gebaut?
Nur eine Variante hat die richtige Wortstellung.
A 18Verbinde zu Begründungssätzen
Verbinde die beiden Sätze mit einer Konjunktion oder einem Kausaladverb. Für Profis: Formuliere den Inhalt dabei in eigenen Worten um (paraphrasieren).
Der Appell
Der Appell ist der Höhepunkt deines Briefs: Hier forderst du deine Leserinnen und Leser auf, etwas zu tun. Er muss zu deinen Argumenten passen und die richtigen Menschen ansprechen.
| Form | Beispiel |
|---|---|
| Imperativ | Handeln Sie bitte! · Lassen Sie uns gemeinsam …! |
| Modalverben | Sie sollten/müssen … · Sie dürfen nicht … |
| Verben der Aufforderung | Ich fordere Sie auf, … · Ich bitte Sie, … · Ich rufe Sie dazu auf, … |
| Aussagesätze im Präsens, Futur oder Konjunktiv | Sie werden die Auswirkungen noch bemerken! · Möge es die nächste Generation besser haben! |
| Partizip Perfekt | Genug diskutiert! Zu wenig überlegt! |
| Infinitiv mit zu | Dieser Forderung ist nachzukommen! Diese Alternative ist zu berücksichtigen! |
Ein starker Schluss kombiniert meist zwei oder drei Formen: eine höfliche Aufforderung, einen konkreten Vorschlag und einen kurzen, einprägsamen Schlusssatz mit Rufzeichen.
ZuordnenWelche Appellform steckt in diesem Satz?
Bestimme die sprachliche Form jedes Appells.
LückentextVon „du“ zu „Sie“: die Höflichkeitsform
Im Leserbrief sprichst du die Leserschaft mit „Sie“ an. Wähle die richtige Höflichkeitsform des Imperativs.
QuizWelcher Appell ist schlüssig?
„Schlüssig“ heißt: Der Appell folgt logisch aus deinen Argumenten und spricht die Menschen an, die im Arbeitsauftrag genannt sind.
A 16Appelle zu den Bildern
Formuliere zu jedem Bild aus deinem Buch einen Appell in der Höflichkeitsform. Probiere dabei verschiedene Appellformen aus.
Stil, Redemittel und Sprachrichtigkeit
Ein Leserbrief darf engagiert und leidenschaftlich sein, aber immer höflich und sachlich. Mit den richtigen Redemitteln klingt dein Text sofort professionell.
ZuordnenRedemittel sortieren
Wofür verwendest du diese Wendung? Ordne sie der passenden Funktion zu. Diese Liste ist gleichzeitig dein Wortschatz für die Schularbeit.
Stil-CheckPasst dieser Satz in einen Leserbrief?
Entscheide, ob der Satz stilistisch in einen Leserbrief passt.
Ein Leserbrief steht im Tempussystem des Präsens: Für die Gegenwart verwendest du das Präsens, für Vergangenes das Perfekt („Ich habe gelesen“, „Der Artikel ist erschienen“), für die Zukunft das Futur I („Sie werden sehen …“). Vermeide Erzählketten im Präteritum wie „Ich fand … und brachte …“. Bei sein, haben und den Modalverben ist das Präteritum („war“, „hatte“, „konnte“) aber völlig in Ordnung.
LückentextTempus, dass/das, Höflichkeitsform, Komma
Diese Punkte zählen bei der Sprachrichtigkeit besonders. Wähle jeweils die richtige Form.
Fehlerlupe
Jetzt wirst du zur Lehrerin: In diesem Leserbrief zum Bücherschrank-Text stecken sechs typische Fehler aus Schularbeiten. Findest du sie alle?
SuchenKlicke alle fehlerhaften Stellen an
Klicke auf eine Stelle, um sie zu markieren, und noch einmal, um die Markierung aufzuheben. Dann prüfe. Vorsicht: Nicht jede Stelle ist falsch.
ÜberarbeitenVerbessere die fehlerhaften Stellen
Schreib die sechs Stellen so um, dass sie in einen gelungenen Leserbrief passen.
Musterbriefe
So kann ein gelungener Leserbrief zu jedem der drei Schreibaufträge aussehen. Lass dir die Bausteine einfärben und die Arbeitsaufträge anzeigen, dann siehst du genau, wie der Brief gebaut ist. Übernimm Wendungen, nicht ganze Sätze.
Betreff: Kurzstrecken gehören auf die Schiene!
Sehr geehrtes Redaktionsteam!
Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag „Sollen wir für das Klima auf das Fliegen verzichten?“ von Natalie Schmidt gelesen, der am 23. Juni 2023 in der Online-Ausgabe der NÖN erschienen ist. Darin diskutieren Johannes Wahlmüller von GLOBAL 2000 und Peter Kleemann vom Flughafen Wien, ob Urlaubsflüge in Zeiten der Klimakrise noch vertretbar sind. Da meine Familie gerade den Sommerurlaub plant und wieder über einen Flug nachdenkt, hat mich das Thema sofort angesprochen. In den folgenden Zeilen möchte ich Ihnen meine Meinung dazu darlegen.
Ich bin der Ansicht, dass wir nicht völlig auf das Fliegen verzichten müssen, Kurzstrecken innerhalb Europas aber vermeiden sollten. Wie Herr Wahlmüller betont, ist das Flugzeug nämlich die klimaschädlichste Art zu reisen, während sich viele Ziele bequem mit Bahn oder Bus erreichen lassen. So kommt man etwa von Wien mit dem Nachtzug problemlos nach Paris und spart sich dabei sogar eine Hotelnacht.
Herr Kleemann wendet zwar ein, die Luftfahrt sei nur ein geringer Verursacher von CO₂-Emissionen und arbeite mit dem CORSIA-Abkommen und alternativen Treibstoffen an ihrer Klimabilanz. Diese Bemühungen sind erfreulich, doch sie wirken erst mittelfristig. Das Klima kann aber nicht warten, deshalb zählt jede Entscheidung, die wir schon heute treffen.
Außerdem darf nicht vergessen werden, dass eine Reise mehr ist als ihr Ziel. Wer mit dem Zug fährt, erlebt Landschaften, kommt mit Menschen ins Gespräch und entkommt dem hektischen „immer schneller, immer weiter“. Meine Erfahrungen bestätigen das, denn unsere letzte Bahnreise an den Gardasee war viel entspannter als jeder Flug mit langen Schlangen bei der Gepäckkontrolle.
Ich fordere Sie daher auf: Prüfen Sie bei Ihrer nächsten Urlaubsplanung zuerst die Zugverbindungen! Steigen Sie nur dann ins Flugzeug, wenn es wirklich keine sinnvolle Alternative gibt. Tun wir es der Umwelt zuliebe!
Mit freundlichen Grüßen
[Vorname Nachname]
Betreff: Nehmen, geben, weiterlesen – Bücherschränke für alle!
Sehr geehrtes Redaktionsteam der Wiener Zeitung!
Mit großem Interesse habe ich den Bericht „Offene Bücherschränke: Nostalgiefaktor Buch“ von Niklas Hintermayer gelesen, der am 13. Februar 2017 in der Online-Ausgabe Ihrer Zeitung erschienen ist. Da vor Kurzem auch in meiner Wohngegend ein offener Bücherschrank aufgestellt worden ist, hat mich das Thema sofort neugierig gemacht. Als begeisterte Leserin möchte ich Ihnen und allen anderen Bücherwürmern meine Gedanken dazu mitteilen.
Das Konzept der offenen Bücherschränke ist denkbar einfach: Wer Bücher übrig hat, stellt sie hinein, und wer etwas Spannendes entdeckt, nimmt es kostenlos mit. Es gibt weder eine Anmeldung noch eine Leihfrist, denn das System beruht ganz auf Vertrauen und fairem Tausch. Wie der Bericht zeigt, ist der erste Wiener Bücherschrank bereits Anfang 2010 im 7. Bezirk eröffnet worden und gehört seither fest zum Grätzl.
Ich bin davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, Gebrauchsgegenstände weiterzugeben, statt sie wegzuwerfen. Für jedes neue Produkt werden nämlich Rohstoffe und Energie verbraucht. Ein Buch, das zehn Menschen lesen, schont daher die Umwelt deutlich mehr als zehn neu gekaufte Exemplare. Dasselbe gilt für Kleidung, Spielzeug oder Geschirr, die etwa bei Tauschbörsen ein zweites Leben bekommen.
Zwar berichtet der Artikel, dass manche Schränke ausgeräumt und die Bücher weiterverkauft werden. Doch solche Einzelfälle sprechen nicht gegen die Idee, sondern zeigen, wie wichtig gegenseitiger Respekt ist. Außerdem bringen Bücherschränke Menschen zusammen, denn beim Stöbern kommt man leicht mit Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch.
Ich rufe daher alle Leseratten auf: Nutzen Sie die Bücherschränke in Ihrer Umgebung und bringen Sie Bücher, die Ihnen selbst Freude gemacht haben! Nehmen Sie nur, was Sie wirklich lesen möchten. Denn nur wenn wir fair tauschen, bleibt der Schrank für alle eine Schatzkiste.
Mit freundlichen Grüßen
[Vorname Nachname]
Betreff: Die letzte Schulwoche – zu wertvoll zum Absitzen
Sehr geehrtes Redaktionsteam der Presse!
Mit großem Vergnügen habe ich den Beitrag „Die zehnte Ferienwoche“ von Mirjam Marits gelesen, der am 1. Juli 2022 in der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Die Presse“ erschienen ist. Die Autorin beschreibt darin, dass die letzte Woche vor dem Zeugnistag eigentlich schon eine geheime Ferienwoche ist. Als Schülerin bin ich von diesem Thema direkt betroffen und möchte meine Erfahrungen gerne mit Ihnen teilen.
Bei uns sieht die letzte Woche meist so aus: Die Noten stehen fest, Tests gibt es keine mehr, und manche Stunden werden mit Filmen oder Spielen gefüllt. Oft wirkt das aber eher wie Warten als wie ein gemeinsamer Abschluss, denn viele haben innerlich schon abgeschaltet, und die letzten gemeinsamen Tage verstreichen einfach ungenutzt.
Dabei sind gemeinsame Aktivitäten gerade am Schuljahresende besonders wichtig. Nach Monaten voller Prüfungsstress hat die Klasse endlich Zeit füreinander, ohne Notendruck. Wer zusammen wandert, kocht oder ein Fest vorbereitet, lernt die anderen von einer neuen Seite kennen. Solche Erlebnisse stärken die Klassengemeinschaft, zumal man sich danach zwei Monate lang kaum sieht.
Meine perfekte Abschlusswoche würde so aussehen: Am Montag planen wir in Gruppen ein Abschlussfest. Am Dienstag folgt ein Wandertag, am Mittwoch ein Projekttag, an dem jede Klasse etwas für die Schulgemeinschaft gestaltet, etwa ein Beet im Schulhof. Am Donnerstag feiern wir mit Eltern und Lehrkräften, und am Freitag gibt es nach der Zeugnisverteilung ein gemeinsames Frühstück.
Ich bitte Sie daher, liebe Schulleiterinnen und Schulleiter, liebe Lehrerinnen und Lehrer: Nutzen Sie die letzte Woche bewusst! Planen Sie gemeinsam mit den Klassen ein Programm, das verbindet, statt die Zeit einfach verstreichen zu lassen. Dann wird die zehnte Ferienwoche zur schönsten Woche des Jahres.
Mit freundlichen Grüßen
[Vorname Nachname]
QuizDen Musterbriefen auf die Spur kommen
Beantworte die Fragen mithilfe der Musterbriefe oben.
Schreibwerkstatt
Jetzt bist du dran. Wähle einen Schreibauftrag und schreib deinen Leserbrief Baustein für Baustein. Die Redemittel unter den Feldern fügst du mit einem Klick ein. Rechts siehst du live, wie viele Wörter du hast und was dein Brief schon erfüllt. Das ist deine Hausübung, also nimm dir Zeit dafür.
Automatischer Check
Der Check sucht nur nach Signalwörtern. Ob deine Argumente überzeugen, beurteilst du mit der Checkliste in Station 12.
Vorschau
Fit für die Schularbeit
Mit einem klaren Zeitplan und einer Checkliste für die letzten Minuten holst du am Schularbeitstag das Beste aus dir heraus.
Zeitplan für eine Schularbeit von 100 Minuten
Dauert deine Schularbeit länger oder kürzer, verschiebst du die Abschnitte einfach anteilig.
Checkliste für die Überarbeitung
Hake ab, was dein Übungsbrief schon erfüllt. Die Häkchen bleiben gespeichert.
Spickzettel für den Kopf
Einleitung: Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag „…“ von … gelesen, der am … in … erschienen ist. · Da …, hat mich das Thema sofort angesprochen. · In den folgenden Zeilen möchte ich Ihnen meine Meinung dazu darlegen.
Meinung: Ich bin der Ansicht/davon überzeugt, dass … · Meiner Meinung nach … · Es ist absolut notwendig, dass … · Ärgerlich/Erfreulich finde ich, dass …
Argumente verknüpfen: Zunächst … · Ein weiteres Argument ist … · Außerdem darf nicht vergessen werden, dass … · Hinzu kommt, dass … · Besonders wichtig erscheint mir …
Bezug zum Text: Wie die Autorin/der Autor richtig feststellt, … · Im Beitrag wird erwähnt, dass … · Meine Erfahrungen entsprechen dieser Darstellung, denn …
Gegenargument: Zwar behaupten manche, …, doch … · Kritiker mögen einwenden, dass … Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass …
Appell: Ich fordere Sie daher auf, … · Ich bitte Sie, … · Lassen Sie uns gemeinsam …! · Genug diskutiert – handeln wir! · Tun wir es … zuliebe!
Du hast jetzt alles, was ein guter Leserbrief braucht: einen festen Bauplan, eine Einleitung, die du auswendig kannst, Argumente nach dem 3-B-Schema, sichere Begründungswörter und einen Appell mit Schwung. Vertrau darauf, dass du eine eigene Meinung hast, die es wert ist, gehört zu werden. Genau das ist der Kern eines Leserbriefs. Viel Erfolg bei der Schularbeit! ✉